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Am Samstag ist folgender Artikel im “Der Landbote” erschienen. Der Original Text ist auch unter folgenden Link erhältlich.

Jungwinzer Andreas Schwarz hat den bäuerlichen Mischbetrieb oberhalb von Freienstein vor fünf Jahren ganz auf Weinbau umgestellt. Eine gute Entscheidung,
denn einige seiner Weine haben bereits Preise erhalten.

FREIENSTEIN – Ursprünglich bewohnte die Familie Schwarz ein Bauernhaus im Dorf Freienstein und betrieb gemischte Landwirtschaft. Doch war ihr Land auf nicht weniger als 24 kleine «Blätze» rund ums Dorf aufgeteilt. Bei der Melioration von 1970 wurden diese zusammengelegt und die Familie siedelte in den «Geistig», denn eine Rebparzelle in dieser erhöhten Lage an der Südflanke des Irchels gehörte immer schon zum Familienbetrieb.

Stahl oder Eiche?
Zwar blieb der Vater von Andreas Schwarz der Mischwirtschaft vorerst noch treu, doch als der Junior den Betrieb 2005 übernahm, wollte er nichts mehr vom Kühemelken wissen und konzentrierte sich endgültig auf den Weinbau: «Für eine Diversifikation sind wir einfach zu klein, da kommt man nirgends auf einen grünen Zweig», erläutert er, «nun machen wir lieber nur etwas, doch das dafür richtig.» Dass bei der Melioration seinerzeit neue Pinot-Noir-Stöcke gesetzt wurden, freut Jungwinzer Andreas Schwarz noch heute: «Vierzigjährige Pinot-Noir-Stöcke!», sagt er mit einem bedeutungsvollen Glanz in den Augen, das sei schon mal nicht die schlechteste Grundlage. «Meinen ersten Wein habe ich 1999 im stillen Kämmerlein gemacht», erzählt er. «Mit einem Fässli, einem Schlauch und einem Tänkli.» Das war kurz nach seiner Winzerlehre, von der er ein Jahr an der Weinbaufachschule Wädenswil, eines im Tessin und eines in Eglisau verbrachte. Bei Daniel Huber, einem Pionier des Tessiner Weinbaus, habe er viel über die «Fässli» (wie er die Barriques konsequent nennt) gelernt, dennoch seien bei ihm auch Chromstahltanks vorhanden: «Die Geschmäcker sind halt verschieden», sagt er. «Für meinen Grossvater etwa musste der Wein noch aus dem Stahltank kommen!» Nach seiner Rekrutenschule ging Schwarz für ein Jahr nach Austra- lien, wo er zunächst in einem Weinkeller arbeitete, in dem Millionen Tonnen von Trauben verarbeitet wurden: «Dort habe ich vor allem das Arbeiten mit grossen Mengen gelernt», sagt er. Andere Dimensionen erlebte er auch bei seinem nächsten Job in Westaustralien, wo er 1000 Hektaren Weizen anbauen musste. «Um 100 Hektaren anzusäen, benötigten wir einen Tag», erzählt er. «Und zum Ernten hatte ich eine Riesenmaschine mit 300 PS und 25 Meter langen Mähbalken.» Lustig findet er, dass die Grösse der Anbaufläche nichts an der Mentalität ändert: «Die Bauern jammern dort genauso wie hier!», stellt er amüsiert fest. Aber das Gejammer könne er nicht mehr hören: Anstatt zu lamentieren oder gar die Rebstöcke auszureissen, solle man sich darauf konzentrieren, besseren Wein zu machen.

Liebeskummer in Bordeaux
Zurück aus Australien verbrachte er eine Saison in Bordeaux. «Das verur-sachte uns einigen Herzschmerz, da wir zu dieser Zeit frisch verliebt waren! », erzählt seine heutige Frau Prisca lachend. Fachlich möchte Schwarz die Zeit in Frankreich aber nicht missen, denn dort sei es üblich, dass externe Önologen den Wein analysieren und die Weinbauern beraten. So habe er sehr viel dazulernen können. 2001 begann er dann, den ersten «richtigen» Wein zu machen. Es sei ein langsames Einarbeiten gewesen, indem der Jungwein in Hallau gemacht wurde, der Ausbau aber mit den ersten acht Fässli im eigenen Keller erfolgt sei. «Für einen guten Wein braucht man nicht viele Maschinen, sondern viel Wissen», lautet seine Devise – dennoch liebt er es, zu experimentieren und nimmt damit auch das Risiko in Kauf, dass ein Fass «kippen» könnte. «Aber ich will nun mal keine gewöhnlichen Weine machen», sagt er. «Nur gute Qualität und nur so viel, wie wir verkaufen können.» Auf dem Weingut Schwarz wachsen heute 4 Hektar Pinot Noir, 1 Hektar Riesling×Sylvaner und 0,5 Hektar Spezialitäten wie Malbec, Shiraz, Merlot, Sauvignon Blanc und Chardonnay. Obwohl er von Letzteren gerne noch etwas mehr anbauen würde, ist Wachstum für ihn kein Ziel. «Wir sind glücklich mit unserer Grösse», sagt Andreas Schwarz. «Denn wir sind immer noch ein Familienbetrieb und brauchen keine zusätzlichen Festangestellten.» Auch müsse seine Frau nicht mit in die Reben – mit den zwei kleinen Kindern, dem Büro sowie der Organisation von Events bzw. der Vermietung des «Häuschens» habe sie genug zu tun: Von Mitte Mai bis Ende August gibt es in ihrem schön gelegenen Rebhäuschen (das für Anlässe auch gemietet werden kann) jeweils am Freitagabend «Barbecue & Sunset». «Am Anfang kam kaum jemand, aber jetzt tut man gut daran, im Voraus zu reservieren», sagt Prisca Schwarz.

l ALEX HOSTER l Der Landbote l Samstag 23. Januar 2009

Mehr Informationen:
Weingut Schwarz, Im Geistig, 8427 Freienstein, Tel. 044 865 13 12, Fax 044 865 14 22, schwarz@weingutschwarz.ch, www.weingutschwarz.ch

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